Centro de Día – Baradero

Im Tageszentrum finden die Kinder aus Baradero liebevolle Betreuung und Hilfe im Alltag.

Centro de Día – Hogar Germán Frers*

Das Centro de Día ist ein Tageszentrum für sozialschwache Kinder aus Baradero, einer kleinen Stadt in der Provinz Buenos Aires, etwa 90 Minuten von der Hauptstadt Argentiniens entfernt. Einem Land, in dem laut argentinischem Statistikamt (Instituto Nacional de Estadística y Censos/INDEC) 50% der Kinder und Jugendlichen in Armut leben.



Geschichte

Benannt ist das Hogar nach dem ersten Lehrer einer Schule der Gemeinde „Deutsche Evangelische Synode am La Plata“ in Buenos Aires (um 1850). Nachdem Germán Frers Erziehungsminister der Provinz wurde, gründete er Schulen in Baradero und Umgebung.

Seine Enkelkinder waren es dann, die 1909 das weitläufige Gelände des heutigen Centro de Dia gestiftet haben und die Nutzung mit der Auflage versehen hatten, auf dem Grundstück, ein Waisenkinderheim zu gründen. Diese Aufgabe übernahm die Deutsche Evangelische Gemeinde zu Buenos Aires im Auftrag der Synode und gründete zunächst ein Knabenwaisenhaus, welches ab Mitte der 80er Jahre als Kinderheim fortgeführt wurde und von der Gemeinde stets als diakonische Aufgabe verstanden wurde. Lange bot es so einer Vielzahl an Kindern aus dem ganzen Land ein liebevolles Zuhause.

Aufgrund einer Gesetzesänderung der argentinischen Regierung kam es Anfang des neuen Jahrhunderts dann zu einer Hiobsbotschaft für die Gemeinde und vor allem für die kleinen Bewohner des Heimes. Zu dieser Zeit wollte man die Rechte der Kinder stärken und hat gewisse Vorschriften als sog. Kinderrechte in das  argentinische Grundgesetz eingeführt. Die Intention mag gewiss eine Gute gewesen sein, führte allerdings u.a. dazu, dass Kinderheime nur noch unter staatlicher Führung und unter bestimmten Voraussetzungen geführt werden durften. Das aufgenommene „Recht auf Familie“ gestattete es fortan nur noch, Kinder in Heimen unterzubringen, wenn sie verwaist waren und es keine Verwandten gab, die das Kind aufnehmen konnten.

Für das Hogar, die Bewohner und Betreuer war das ein Paukenschlag, der dringend eine Alternative notwendig machte. Denn die Kinder in Baradero, die unter nicht kindgerechten Bedingungen aufwuchsen, häufig Gewalt ausgesetzt waren und Alkohol- oder Drogenmissbrauch miterleben mussten, waren nach wie vor auf Hilfe angewiesen.

Die Gemeinde hat sich an die Arbeit gemacht und im Jahr 2009 das Centro de Dia ins Leben gerufen – eine Kindertagestätte für sozial gefährdete Kinder.

Das Zentrum

Das Tageszentrum in welchem die rund 40 Kinder im Alter von 6 -14 Jahren vor oder nach der Schule bis in den frühen Abend hinein betreut werden ist ein friedlicher Ort ohne Gewalt, mit Regeln und festen Strukturen.

Die Schulen in Baradero sind aufgrund des starken Lehrermangels in einen Vormittags und einen Nachmittags Unterricht eingeteilt. Mit einem von der Gemeinde finanziertem Bus und angestelltem Fahrer werden die Kinder von der Schule abgeholt und dorthin gebracht. Öffentliche Transportmöglichkeiten gibt es nicht.

Die liebenswürdige Köchin Lolly, deren Mutter schon im damaligen Heim gearbeitet hat, kocht für die Kinder täglich ein warmes Mittagessen. Morgens und nachmittags zur Merienda (klassische argentinische Zwischenmahlzeit) gibt es Tee, Saft und ein paar Kekse, die vom örtlichen Produzenten gespendet werden. In der Zwischenzeit wird das große Grundstück genutzt um den Kindern einen ereignisreichen Tag zu ermöglichen. Es gibt einen kleinen Wald, eine große Wiese zum Fußball spielen, einen Basketballkorb, einen Pool für die heißen Sommertage aber auch einen Obst- und Gemüsegarten sowie ein paar Schweine, Hühner, Gänse und einen Hasen.

In deren Pflege werden die Kinder mit einbezogen und lernen so einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und den Tieren. Die Kinder müssen die Betreuerinnen aber auch in den alltäglichen Aufgaben unterstützen. Es wird gemeinsam der Tisch gedeckt und abgeräumt, gespült und sauber gemacht. Der Hof wird gekehrt und die Pflanzen gegossen.

Verónica, die Sozialarbeiterin und Leiterin, Alina und Andrea die Betreuerinnen sowie Aldana die Kinderpsychologin versuchen, den Kindern liebevoll einen normalen Alltag zu bieten und Fördermaßnahmen zu ergreifen. In den täglich stattfindenden sog. Talleres (vielleicht übersetzt man es am besten mit „Handwerksstunde“) werden die Hausaufgaben gemacht, es wird gebastelt, gesungen, gebacken und bei Regen auch mal ein Film geschaut. Die Kinder kommen gerne, das merkt man. Schnell fassen sie einen ins Herz und begleiten einen in ihre Welt, die im Centro de Día so schön aussieht.

Wenn die Kinder um 17:30 Uhr abgeholt werden, geht es dann zurück in eine Welt, in welche wir nur am Rande einen Einblick erhalten haben. Liebevoll und strukturiert ist sie aber wohl nur bei den wenigsten. Armut und Gewalt spielen in vielen Familien eine große Rolle.

Umso besser ist es, wenn am nächsten Tag das Zentrum wieder öffnet und die Kinder herzlich empfängt.

Jedes Jahr entsenden Freiwilligenorganisationen aus Deutschland zwei Freiwillige die hier ihr soziales Jahr ableisten und das Zentrum unterstützen. Wir haben 2018 Anja und Mareike angetroffen, die wie alle ire Vorgänger, ganz wundervolle Arbeit mit den Kindern leisten, ein bisschen globale Abwechslung und jede Menge Spaß mitbringen.

Die Finanzierung

Die Finanzierung der Einrichtung erfolgt durch die Inanspruchnahme eigener Ressourcen, sowie Spenden, welche die Gemeinde generiert. So wurde das auf dem Gelände stehende große (nach Schließung des Heims nicht mehr genutzte) Wohngebäude zu einem Begegnungs- und Tagungszentrum (eine Art Jugendherberge) umfunktioniert. In den Sommermonaten kommen Schulklassen aus Buenos Aires oder Pfadfindergruppen, die hier ein paar Tage verbringen. Auch wird z.B. die selbsthergestellte Marmelade der vielen Pflaumenbäume unter Bekannten und Gemeindemitgliedern verkauft.

Obwohl sie dadurch die Ressourcen sinnvoll ausschöpfen, reichen weder die Einnahmen noch die Spenden aus, um dem Tageszentrum und den Kindern das zu bieten, was anderenorts als völlig selbstverständlich wahrgenommen wird.

Der reine Erhalt der Institution fordert bereits eine erhebliche Summe. Mitarbeiter müssen bezahlt werden und auch der Bus mit dem angestellten Fahrer, welcher die Kinder täglich ins Zentrum bringt, nimmt einen erheblichen Teil der Spendenkassen in Anspruch. Ohne Bus hingegen hätten die Kinder keine Möglichkeit das Zentrum zu erreichen.

Auch kleinere Arbeiten sind notwendig. So muss beispielsweise das Dach des Zentrums dringend repariert werden, der kleine Spielplatz mit Rutsche und Schaukel ist verrostet und veraltet, ein neuer Basketball könnte den verbeulten Alten gut ersetzen. Fußballtore oder eine Dunstabzugshaube für die Küche, Bastelutensilien oder Musikinstrumente, eventuell sogar die Finanzierung eines Musiklehrers, all das sind Wünsche die hinter denen des grundsätzlichen Erhaltens der Einrichtung bleiben müssen und zeigen, dass es im Prinzip an jeder Ecke etwas zu investieren gibt.

Mithilfe

Jeder der beim Lesen Lust bekommen hat, die kleine Welt der Kinder durch einen finanziellen Beitrag verbessern zu wollen, darf sich gerne bei uns melden. Einfach eine Mail an hello@one-good-deed.net. Die Gemeinde freut sich über jeden Beitrag und wir versichern euch mit Fotos und Berichten, dass das Geld dort ankommt, wo es hingehört.

* Der Eintrag ist mit Hilfe der Gemeinde erstellt und von dieser genehmigt

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