Patagonien | Die Überlegenheit der Natur

Kälte, Wind und atemberaubende raue Natur.

Chile & Argentinien

# Overview

Patagonien …. Die erste Erinnerung die uns an diesen einzigartigen Teil der Erde in den Sinn kommt, ist jene an den stets zuverlässigen Begleiter – den Wind! Der Wind ist auf diesem Teil des südamerikanischen Kontinentes, welcher mit einer Fläche von 1.043 Millionen km² fast drei Mal so groß ist wie Deutschland, allgegenwärtig. Mal stärker und mal schwächer, nie aber ganz verschwunden kann er einem schon so manche Nacht rauben.

Schnell waren wir uns einig, es ist durchaus möglich windkrank zu werden! Wie oder ob sich die Einwohner Patagoniens überhaupt daran gewöhnen können bleibt bis zu unserem letzten Tag ein Geheimnis.

Und dennoch, das Naturschauspiel, welches Patagonien bietet ist ein ganz Einzigartiges. Die Tierwelt und die überwältigende, raue und einsame Natur lassen einen ebenso innehalten wie der Anblick der unglaublichen Weite des Landes. Auch nach wochenlanger Reise noch, stockt einem bei der Fahrt durch die patagonische Steppe („die Pampa“) immer noch der Atem und man zweifelt aufs Neue daran, ob einem jemals wieder ein Mensch begegnen wird. Die Pampa ist sodann auch schon der nächste treue Gefährte auf unserer Reise. Geprägt von der flachen, kargen Landschaft in der sich die Guanacos (eine kleinere Lama Art) am wohlsten fühlen, fragten wir uns im Norden noch wann sich dieser Anblick wohl ändert, immerhin warten ja die Anden. Oder nicht ? Die Hoffnung geben wir erst nach ca. 1000 km und einem Eintrag in unserer Reiseapp iOverlander auf.

„If you think the boring landscape will change after Comodo Rivadavia… Nope, it doesn’t!“

Auf der argentinischen Seite Patagoniens kommt deshalb während der Fahrt die atlantische Küste entlang auf der Ruta 3 dann auch mal Langeweile auf.

Wenn man nach einer windreichen Fahrt durch die patagonische Steppe dann jedoch vor einem der gewaltigen Gletscher steht, durch die Nationalparks wandert und die Augen den Farben nicht trauen wollen, Orcas genauso selbstverständlich an dir vorbei schwimmen wie Delphine und Robben, wenn du morgens als erstes einen Flamingo in dem See und abends vor lauter Sternen den Himmel nicht mehr siehst, dann spätestens ist alles verziehen.  Da mag der Wind noch so sehr um deine Ohren peitschen, der Anblick der unterschiedlichen Fassetten hat uns nicht nur ein Mal den Atem gestohlen. Es bleibt eines der wundervollsten Stücke Erde, die uns je begegnet sind. Trotz Wind, trotz Steppe!

# Places to visit

– Perito Moreno Gletscher – Argentinien

Oft haben wir schon die schönsten Momente unserer bisherigen Reise erkoren. Immer ist er dabei, der Perito Moreno Gletscher. Er ist Teil des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks Los Glaciares und ist mit einer Gletscherfläche von 254 km² neben der Arktis und Antarktis die größte Eismasse der Welt. 254 km²!!!!

Im Gegensatz zu den meisten Gletschern unserer Erde wächst der Perito-Moreno bis heute. Und das kann man hören. Unentwegt arbeitet er. Ein lautes Knarren kündigt oft die nächste Partie an, die von der Gletscherzunge direkt vor deinen Augen abbricht.

Für Reisende:

Der Eintritt liegt (Stand Februar 2019) bei 260 A$ pro Person, ca. 16 €. Da wir mit unserem T3 stets auf eigene Faust reisen, konnten wir dem touristischen Treiben samt Preisen weitestgehend fernbleiben. Jede Reise zum Gletscher führt über El Calafate. Ein netter, kleiner Ort der ausschließlich auf Touristen fixiert ist. Schon die Hotels und Campingplätze sind um ein vielfaches teurer als im Rest des Landes.

Mit dem Auto erreicht man nach einer einstündigen Fahrt einen Parkplatz ziemlich in der Nähe des Gletschers. Von da führen verschiedene Wanderwege zur Gletscherzunge. Ein kostenloser (Oha!) Shuttle bringt einen in 5-minütiger Fahrt auch ganz nah dran.

Auf Bootstouren oder Gletscherwanderungen haben wir aufgrund unseres Hundes verzichtet, allerdings war der Blick von der Aussichtsplattform für uns auch bereits absolut ausreichend. Mit warmer Kleidung, einem Maté und etwas zum Essen kann man dem Gletscher über Stunden beim „kalben“ zuschauen.

Torres del Paine Nationalpark – Chile

Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei nadelartige Granitberge, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Die Berge liegen etwa in der Mitte des Nationalparks. Der Park birgt genau das, was man sich vorstellt, wenn man sich Patagonien ausmalt. Riesige, schneebedeckte Andenabschnitte, eisblaue Seen und wunderschöne raue Natur. Da Hunde im Park nicht erlaubt sind haben wir uns abwärts der üblichen Pfade mit kleineren Wanderungen begnügt und auf die großen, teilweise mehrtägigen Wandertouren verzichtet. Wer dafür Zeit und Lust hat, sollte dies nicht versäumen und schon bereits mehrere Monate vorher buchen.

Der Parkeintritt liegt bei ca. 30 Euro pro Person.

Punta Arenas – Chile

Punta Arenas ist die südlichste Großstadt der Welt und liegt direkt gegenüber der Tierra del Fuego – der Insel Feuerland. Durch die mit Wellblech bedeckten Häuser wird man schnell an eine Stadt in kalten Gefilden erinnert – oft denke ich an Reykjavik.

Sehenswert ist der alte Friedhof mit den vielen Mausuleen. Der Einfluss der Unternehmerfamilie Menendez ist wie überall in der Stadt auch hier deutlich zu spüren. Die Einwohner der Stadt behaupten, es sei „der schönste Friedhof Südamerikas“.

Puerto Natales – Chile

Ausgangstor zum Torres del Paine und gleichzeitig Start des „Gringo-Trails“. Spätestens hier tummeln sich alle Sommerreisenden. Man glaubt es kaum, aber die Schar der per Anhalter fahrenden Backpacker steht an der Straße Schlange. Manch einer ist so verzweifelt, dass Tänze aufgeführt werden 😉 Ansonsten ist Puerto Natales ein eher verschlafendes Dorf, dessen Leben sich ebenso gänzlich dem Tourismus gewidmet hat.

Peninsula Valdez – Argentinien

Die Halbinsel Valdéz spaltet bis heute unsere Geister. Auf der einen Seite beherbergt das als Weltnaturerbe eingestufte Reservat mit einer Fläche von 3625 km2 große Kolonien von Pinguinen, Seelöwen und See-Elefanten. Bei einem Besuch zu der passenden Jahreszeit kommen Orcas und Südkapern (eine große Walart) zu Besuch und die Chancen, all diese Eindrücke zu sammeln, stehen nicht schlecht.

Auf der anderen Seite aber ist die Insel nicht asphaltiert und birgt die schlimmsten, mit „Wellblech“ (grauenhafte Rillen in der Strasse) ausgestatteten Schotterpisten die uns in Argentinien begegnet sind (und das soll was heißen!). Durch die immense Größe der Insel kommt man auch nicht umher durchaus 150 oder 250km zurücklegen zu müssen. Die Kolonien sind oft Kilometer voneinander entfernt. Je nachdem mit welchem Auto man reist können diese Strecken einen wirklich an den Rand der Verzweiflung bringen.

Wenn man es in Kauf nimmt, sollte man früh aufbrechen und für ausreichend Verpflegung sorgen.

Für uns hat sich die Reise, trotz aller Strapazen, vor allem dank der jagenden Orcas mehr als gelohnt.

* Ein kleiner Tipp! Geht auf die Ranger zu. Die wissen immer wo und wann die besten Tiere zu finden sind und sie sind sehr hilfsbereit.

Bosques Petrificados / versteinerter Wald – Argentinien

Wir haben den Wald südlich von Comodoro Rivadavia um die „Laguna Grande“ besucht. Hier wurden vor  150 Millionen Jahren Wälder mit der Lava und Asche mehrerer Vulkanausbrüche bedeckt. Über die Zeit hinweg wurden die teilweise verkohlten Reste mineralisiert, sodass man heute die versteinerten Reste der Wälder bestaunen kann. Unser Fazit lautet jedoch: „Die 140 km Schotterpisten für den Hin- und Rückweg lohnen sich nicht wirklich!“.

# (Fun)facts

– Die Backpacker stehen Schlange😉

– Magallanes Unabhängigkeit

Die nach Ferdinand Magellan, dem Entdecker der Magellanstraße 1520, benannte Region des chilenischen Südens besitzt nicht nur eine eigene Flagge, sondern wünscht sich schon lange seine Unabhängigkeit. Der Wunsch ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das chilenische Festland auf dem Landweg gar nicht erreicht werden kann, ohne Argentinien zu durchqueren.

– Falkland Inseln

„Las Islas Malwinas son Argentina”  = Die Falkland Inseln gehören Argentinien!

Dieser Schriftzug ist über das ganze Land hinweg, insbesondere an Grenzübergängen als offizielles Schild des Staates und in großen Städten als Graffiti zu finden. Der Wunsch, die Inseln in argentinischer Staatshand zu sehen, hängt wohl vor allem mit dem damit einhergehenden territorialen Anspruch der Antarktis zusammen.

Wir wundern uns mehrfach, wieso Inseln die unumstritten vor einem Land liegen, zu einem Königreich gehören, das tausende Kilometer weit entfernt ist. Dieses Überbleibsel der alten Seemacht Großbritanniens, finden wir, könnte mittlerweile aufgegeben werden.

– Cruz del Sur

Das Kreuz des Südens! Ein Himmelsbild, welches nur von der Südhalbkugel zu sehen ist. Australien, Papua Neuguinea und Brasilien haben das Kreuz des Südens in ihren Nationalflaggen aufgenommen.

# Food & Drinks

Pichanga

Ein bekanntes Gericht auf der chilenischen Seite Patagoniens und ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ein Bett aus allerlei gegrilltem Fleisch (Schwein, Lamm, Rind, Huhn, Salsiccia) wird mit Tomaten, Avocado und Zwiebeln garniert bis sich eine große Menge Papas fritas (Pommes) herüberlegt und eine nicht zu unterschätzende Käseschicht das Gericht abrundet. Im Winter wird es kalt und ein Polster muss her… nehmen wir an 😉

– Calafate

Die dunkelblaue Beere deren Äußeres an unsere Heidelbeere erinnert ist eines der Symbole Patagoniens. Die „Buchsblättrige Berberitze“ gibt es z.B. in Form von Marmelade oder als Aperitif im „Calafate Sour“. Auch das Bier des patagonischen Herstellers „Austral“ mit seiner Geschmacksrichtung „Calafate Ale“ ist eine Probe wert. Die Legende besagt, dass jeder der Calafate isst, nach Patagonien zurückkehren wird. Na wollen wir hoffen, dass sich dieser Punkt bewahrheitet 😉

Königskrabbe

Wir konnten uns sehr glücklich schätzen, dass wir von unserem Mechaniker Fernando und seiner Frau Paola zum Königskrabbenessen in ihrem Haus in Punta Arenas eingeladen wurden. Die Krabbe ist nicht nur ziemlich selten, sie ist auch eine sehr kostspielige Spezialität. Nur mit Zitrone, Salz und Mayonnaise wird sie zu einem Brötchen gegessen. Das weiße Fleisch der Riesenkrabbe kommt geschmacklich einem Hummer sehr nahe.

# Nice to know

Reisezeit

Die beste Reisezeit ist in den Sommermonaten Dezember bis März. In dieser Zeit ist es etwas milder. Man sagt zwar, dass die Temperaturen auf 20 Grad ansteigen können, wir haben dennoch viel gefroren! Man sollte sich stets warm einpacken und auf Regen gefasst sein.

Eintritt 

Patagonien und seine Sehenswürdigkeiten sind insbesondere im südlichen Teil sehr teuer. Für die meisten Parks wird Eintritt verlangt und der ist nicht unbedingt günstig. Auch die Preise in den Supermärkten, den Hotels/ Campingplätzen und den Restaurants passen sich durchaus an. Da man oft nicht wild stehen darf, kommt das Taschengeld schnell an seine Grenzen.

Es gibt jedoch die ein oder anderen Tipps die man beachten kann. So kann man z.B. gegen früh morgens oder am späten Abend einen Parkeingang passieren. Lediglich der Perito Moreno ist nur zu den Öffnungszeiten zugänglich. Aber die Pforten des Torres del Paine und der  Peninsula Valdez bleiben offen – also nunja, nicht besetzt eben 😉

Wildcampen

In jedem Park ist das wildcampen ausdrücklich verboten. Wir hatten Glück und sind zu einer Zeit gereist, in der dieses Verbot nicht wirklich vollstreckt wurde 😉 Und wenn man doch einmal angesprochen wird, sind die Ranger ausnahmslos sehr nett und hilfsbereit gewesen. Solange man sich an die Regeln hält (kein Feuer macht, keinen Müll hinterlässt und keine Tiere stört) ist man auch willkommen.

Hunde in den Nationalparks

Die sind leider ebenfalls strengstens verboten, auch nicht an der Leine. Sollte man den Parkeingang jedoch nachts passieren…


Grenzübergänge

Wir haben insgesamt fünf Mal die Grenzen zwischen Argentinien und Chile passiert. Dies bleibt auf der Reise im südlichen Patagonien kaum aus. Dabei stellen die  Passangelegenheiten für uns stets den geringsten Aufwand dar.

Die Papiere für Hund und Auto werden gründlicher geprüft und erfordern ein geordnetes Papierkram-Management. Bei jeder Einreise erhält man Dokumente, die bei der Ausreise wieder abgegeben werden müssen.

Es gibt Grenzübergänge die nicht so überlaufen sind wie andere und ebenfalls Tageszeiten die sich besser eignen (morgens oder nachmittags). Am besten erkundigt man sich vorher über iOverlander.

# Unsere Erkenntnisse

  • Es ist immer WINDIG!
  • Eine argentinische „ruta ripio“ (Schotterstraße) macht so gar keinen Spaß.
  • Die Chilenen wissen wie man asphaltiert!
  • Patagonien ist riesig!
  • Die Landschaft ist überwiegend eine trockenen Einöde ..
  • Wo sonst auf der Welt begegnet man dem Satz „Ich kann keine Pinguine mehr sehen!“
  • Flamingos leben auch in kalten Regionen!?
  • Orcas verschlagen einem die Sprache!
  • Robbenlaute können einen wecken…
  • Die Sternformation „Cruz del Sur“ bekommt man in Europa nie zu sehen!
  • Und wo wir bei Sternen sind…
  • Über Patagonien leuchtet Nacht für Nacht ein atemberaubend klarer Sternenhimmel
  • Reise nicht mit Dachzelt durch Patagonien!
  • Hatten wir den Wind schon erwähnt ?
  • Die Luft ist so trocken, dass sich Brot nur wenige Stunden hält …
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