Argentinien | Asado und Pampa so weit das Auge reicht

Gegrilltes und karge Steppe… Aber Argentinien hat mehr zu bieten. Viel mehr!

# Overview

Argentinien ist einfach ein bezauberndes und atemberaubend abwechslungsreiches Naturparadies mit unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Für die Argentinier ist Hilfsbereitschaft generell ein hohes Gut und egal wo mit angepackt werden kann, wird dies auch getan. Die Hilfsbereitschaft erstreckt sich dabei keineswegs nur auf die eigenen Landsleute – stets hatten wir freundliche Übersetzungshelfer, Reise- und Sicherheitsberater oder einfach ein nettes Gespräch bei spontanen Begegnungen mit den angenehm neugierigen Einwohnern. Die Argentinier sind Ihrem Land absolut zu Recht verfallen und von der Schönheit ebenso begeistert wie wir.

Argentinien ist durch die Historie des Kontinentes weitestgehend westlich geprägt und der Einfluss der Europäer vielfach zu spüren. Dadurch ist es ein leicht zu bereisendes Land, auch wenn stets Vorsicht und Achtsamkeit geboten ist. Die Schere zwischen Arm und Reich ist enorm groß. Eine Mittelschicht existiert kaum.

# Cost of living

Argentinien ist ein vergleichsmäßig teures Reiseland. Die Preise sind in etwa mit denen deutscher Verhältnisse zu vergleichen. Das Fleisch ist sehr günstig, dagegen sind andere Produkte spürbar teurer.

Aufgrund der immensen Zollgebühren sind ausländische Produkte so gut wie nicht zu erhalten. Dies betrifft Lebensmittel ebenso wie Autoteile oder sonstige Produkte. Möchte man kein Vermögen verlieren, wartet man hier lieber auf die Einreise z.B. nach Chile.

Inlandsflüge hingegen sind total preiswert.

# Food & Drinks

– Mate

Mate Tee ist nicht nur ein Getränk, es ist ein Lebensstil! Man hat uns gesagt, dass wir auf unserer Reise unzählige Varianten kennenlernen werden, wie der angeblich beste Mate zubereitet wird. Bisher trifft das wirklich zu. Jeder hat seinen ganz eigenen Weg, die grünen Blätter zum Tee zu verwandeln und schwört es sei der Beste. Einen großen geschmacklichen Unterschied konnten wir bisher nicht ausmachen. Allerdings möchten wir es keinesfalls mit einem Einheimischen aufnehmen – Unterschiede gibt es bestimmt! Mate gibt es wirklich in jedem kleinsten Supermarkt und füllt dort sogar ganze Regale mit den unüberschaubar vielen Sorten.

Getrunken wird er – da sind sich dann alle einig – aus einem Becher der Kalebasse genannt wird. Dazu gehört ein Strohhalm,  welcher ein siebartiges, zum Löffel geformtes Ende hat und am Halm schlitzartig abgeflacht ist.

Wenn es aber um das Material beider geht, scheiden sich dann wieder die Geister. Traditionell aus einem Kürbis hergestellt oder – das Spülen vereinfachend – aus Silikon oder Plastik, auch hier geht jeder seinen Weg. Hat man einmal den ersten herben Schluck überwunden ist es wirklich eine nette Begleitung zu sozialen Anlässen jeder Art. Im Prinzip genügt eine Kalebasse für die große Runde, da der Mate Tee stets geteilt wird. Wichtig ist dabei nur, dass die eingefüllte Menge an Tee vollständig getrunken wird. Sodann kann der Becher weitergereicht werden.

Ganz häufig wurden wir schon von Einheimischen zum Mate trinken eingeladen, wie hier mit Rachel und Roberto.

– Comida por kilo

Essen pro Kilo! Unser Highlight am Mittag. Das Prinzip verrät der Name. Aus einem großen Buffet wird sich ausgesucht was das Herz begehrt – Grillgut, Salate, Tapas und unfassbar viel mehr. Der vollgeladene Pappteller, der meist ohne Nachfrage „to-go“ verpackt wird, wird dann gewogen. Das Essen ist sehr günstig und durch die Vielfalt eine gute Gelegenheit, das argentinische Essen kennenzulernen.

– Fernet con Cola

Es ist DAS Kultgetränk und wird hier vor allem von den jungen Menschen gerne und überall getrunken. Typischerweise in einem großen Topf mit viel Eis für alle serviert, schmeckt es wirklich viel besser als gedacht.

– Asado

Asado meint schlichtweg „Gegrilltes“ und ist noch mehr als der Mate Tee DIE Passion der Argentinier. Jedes Haus, jeder Campingstellplatz, jeder Park hat eine Parilla (Grill) und der wird zu allen  Anlässen genutzt. Auch in Restaurants geht man Asado essen. Ist im Ausnahmefall einmal kein Grill vorhanden, hilft notfalls auch der Ofen. Allerdings wird dieser Kampf nur ungern ausgefochten und es wird immer betont, dass dies kein richtiges Asado sei.

Uns hat ein Argentinier mal gesagt „Euer Bus ist einfach großartig, ich bin begeistert. Aber eines würde mir fehlen…“.

Auflösung erübrigt sich 😉

Allerdings ist so ein Asado Abend nicht immer etwas für den deutschen Gaumen. Das Fleisch ist häufig mit viel Knochen und Fett überzogen, hinzu kommen die gewöhnungsbedürftigen Stellen des Tieres – Zunge, Innereien…

– Empanadas & Tartas

Empanadas – die zu einem Halbmond geformten Teigtaschen – sind ebenso wie die ihnen ähnlichen, aber zur kleinen Torte geformten Tartas  im ganzen Land zu finden. Die Tartas sind vergleichbar mit einer Quiche, allerdings aus dem Teig der Empanada und nicht aus Blätterteig. Gefüllt sind beide Snacks mit Allerlei, am beliebtesten sind wohl die Varianten „Jamon y Queso“ und „Carne“.

– Ensalada con huevo y zanahoria

Salat mit Ei und Karotte. Beides geraspelt (ja auch das Ei) in eine Schüssel und einfach mit Essig, Öl, Pfeffer und Salz vermengen. Super lecker!

 – Dulce de leche

Diese karamellartige flüssige Creme ist hier wirklich in jeder süßangehauchten Speise zu finden. Ob in der Torte, in einem Keks, als Beilage zum Vlan, als Eis oder einfach als Brotaufstrich… Dulce de leche gehört zu Argentinien wie das Asado und der Mate und kann bei einer Reise nicht vermieden werden. Sollte es aber auch gar nicht, wir sind ihr bereits jetzt verfallen 😉

# Places to visit

– Buenos Aires

Siehe Beitrag # Buenos Aires

– Provinz Cordoba

Die Provinz Cordoba liegt in Argentiniens Mitte und besteht aus einem großen Gebirgsteil (Sierras de Cordoba) im Westen und einer flachen, dichter besiedelten Ebene im Osten. Wir haben den Westen bereist und in der großen Gebirgskette mehrere Tage in völliger Einsamkeit verbracht. Es liegt eine fast mystische Energie in der Luft und die Natur wirkt wie eine Mischung aus den Schweizer Alpen und der irischen Natur. Geeignete Stehplätze sind über

iOverlander zu finden. Hier ist besonders der „wild camping“ Spot oberhalb von La Cumbrecita zu empfehlen.

Hier wären wir dann jetzt auch beim skurrilen Teil der Gegend – den deutsch geprägten Dörfern „Villa General Belgrano“ und „La Cumprecita“.

– Villa General Belgrano

Es wird gesagt, dass sich diejenigen Deutschen hier niedergelassen haben, welche sich 1939 auf dem vor Montevideo gesunkenen Schiff „Admiral Graf Spee“ befunden haben. Ob es tatsächlich die ca. 100 Mann der Besatzung waren, die das Dorf gegründet haben oder nicht, haben wir nicht weiter verfolgt, definitiv aber waren es Deutsche. Denn den Flair kann man

noch heute deutlich erkennen. Viele der Einheimischen sprechen Deutsch und in der Stadt entdeckt man an jeder Ecke kleine Erinnerungen an zu Hause. Hier haben wir Ralf kennengelernt,  ein gebürtiger Hamburger, der mit seiner Frau Bettina seit 35 Jahren hier einen Campingplatz betreibt und einen gesonderten Punkt verdient!

Der Campingplatz „La Florida“

Der Campingplatz von Ralf und Bettina ist unfassbar urig und in der Region schon ein kleiner „place to be“. Nicht nur, dass man sich auf dem Grundstück pudelwohl fühlt, man trifft darüberhinaus auch unfassbar interessante Menschen und kommt vor allen an den Abenden zusammen, an denen Ralf seine Kochkünste zum Besten gibt. Buletten, Currywurst oder Asado, Ralf weiß aus seiner Zeit in der Hamburger Gastronomie womit er seine Gäste glücklich macht. Aus ursprünglich nur einer geplanten Übernachtung wurde eine mehr als eine Woche Auszeit.

Wir denken gerne zurück an Ralf’s Geschichten bei einem Bier, an Bettina die immer liebevoll um unser Wohl bemüht war und an die tollen Menschen die wir dort getroffen haben wie Eckerhardt (84) und Ute (81) die seit 13 Jahren durch Südamerika reisen.

– La Cumbrecita

Im Calamuchita Tal gelegen auf 1400 Metern befindet sich das ebenfalls von Deutschen gegründete Dorf La Cumbrecita. Hier muss das Auto draußen auf einem kleinen Parkplatz verbleiben, es geht nur zu Fuß durch diese etwas andere Welt. Denn Mitten in der argentinischen Gebirgslandschaft trifft man dann auf ein kleines Stückchen Deutschland – aus einem anderen Jahrhundert. Die Häuser sind im Alpenlook verkleidet, Gerbera hängen aus den Fenstern und an jeder Ecke gibt es ein Restaurant Deutscher oder Schweizer Herkunft. Serviert werden u.a. Gulasch mit Spätzle, Schwarzwälder Kirschtorte und natürlich variationsreiches Bier. Skurril wird es beim genaueren Hinsehen, wenn man die holzgeschnitzten Pilze und Zwerge entdeckt, welche die Gärten verzieren. Es erinnert dann eher an einen Ort der Gebrüder Grimm oder dem märchenhaften Teil eines Freizeitparkes.

Das Dorf ist sehr klein, 15 Min zu Fuß reichen völlig aus. Zudem ist es sehr touristisch, denn aufgrund der Freizeitaktivitäten in den Bergen auch bei den Argentiniern ein beliebtes Reiseziel. Wenn es auf dem Weg liegt, lohnt sich jedoch ein kleiner Blick.

# Funfacts

– Tranquillo

Wörtlich übersetzt „Ruhe“, meint in der Kultur der Argentinier eher “geh es gelassen an“. Und das tun sie die Argentinier, in allen Lebenslagen. Schnell etwas besorgen – unmöglich! Man muss immer viel Zeit einplanen. Definintiv nichts für Ungeduldige!

– Küsschen auf die Wange

Es wird sich im ganzen Land mit einem Küsschen auf die rechte Wange begrüßt – auch wenn man sich nicht kennt und gerade vorgestellt wird. Dieses Ritual ist nach einer Zeit irgendwie sympathisch und verhindert die oftmals unangenehmen Situationen, in denen man nicht sicher ist, ob man die Hand reicht, sich umarmt, oder in argentinischer Manier ein Küsschen gibt. Wichtig, es ist nur eins auf die rechte Wange und Männer untereinander reichen sich – wenn unbekannt – die Hand.

– Einmal hin, alles drin

Dieser Slogan dürfte den Argentiniern gänzlich unbekannt sein. Hier gibt es für alles einen eigenen Shop. Also wirklich für ALLES!

Es gibt die Carneria (Fleisch), die Polleria (Hühnchen), die Verduria (Obst- & Gemüse), die Gumeria (Gummi-Artikel), den Plastikshop, den Stoffladen, den Papierladen…

Das wohl am abwechslungsreichste Sortiment ist in den sog. Ferreterias zu finden. Kleine baumarktähnliche Läden, die eher das männliche Gemüt begeistern dürften, mit allerlei Werkzeug- und Gartenbedarf.

– Rinder

Es ist irrelevant auf welcher einsamen Straße des Landes du dich gerade befindest – die Einsamkeit bezieht sich nie auf die Abwesenheit von Rindern. Die sind in großen und kleinen Herden wirklich auf jedem Fleck des Landes zu finden.

– Flasche auf den Autos

Auf dem Weg durch das Land sieht man immer mal wieder Autos am Straßenrand, auf deren Dach eine leere Wasserflasche steht. Diese Flasche markiert dann , dass das Auto zu verkaufen ist.

– Wassermelone und Wein

Häufig haben wir  schon von dem Gerücht gehört, dass die Argentinier der Mischung einer Wassermelone mit Wein eine tödliche Wirkung nachsagen. Selbst auf einem Tisch dürfen sich diese Dinge nicht gemeinsam befinden.

Wir werden dieser Legende auf den Grund gehen und berichten.

# Nice to know

 – ATM

Einen ATM zu finden, ist so leicht wie man meint (zumindest in Städten). Einen ATM zu finden, an dem man kostenlos mehr als 100 Euro abheben kann, unmöglich. Der höchste Betrag, den man abheben kann liegt bei 3000 oder 4000 (90 Euro) Pesos und ist meist mit einer Gebühr von 275 bis 400 (5-9 Euro) Pesos verbunden. Ärgerlich aber fast unvermeidlich – zumindest mit unseren Karten. Die günstigste Bank mit 275 Pesos Gebühr war immer noch die Banco Ciudad. Für Einheimische scheint es die Möglichkeit zu geben, am Schalter mehr abzuheben, als am Geldautomaten. Ob dies mit ausländischen Karten auch möglich ist, konnten wir – aufgrund von ewig langen Schlangen und schwammigen Öffnungszeiten – noch nicht in Erfahrung bringen. In kleineren Dörfern kann man sich nicht darauf verlassen, dass es einen ATM gibt. Aufgrund dessen, sollte man immer genug Bargeld dabei haben. Zusätzlich zur lokalen Währung lohnt es sich, ein paar Dollar in der Tasche zu haben.

– Turn the light on

Beim Autofahren ist immer das Licht anzuschalten! Auch tagsüber – egal wann. Die Nichtbeachtung kann bis zu 100 Euro kosten. Kontrollen gibt es weitaus häufiger als man denkt.

– iOverlander

iOverlander ist ein absolutes „Must-Have“. Die App ist einfach genial. Reisende markieren hier unter anderem traumhafte Stellplätze in der Natur, Campingplätze, Wasserhähne, Propangasstationen, Restaurants, Tierärzte, Supermärkte, Polizeikontrollen, gesperrte Brücken und vieles mehr. Anhand von Kommentaren kann alles noch detaillierter beschrieben werden und die Aussagen des ursprünglichen Nutzers verifiziert werden. Egal ob man einen traumhaften und isolierten Stellplatz inmitten der Natur oder nur eine sichere Übernachtungsmöglichkeit in Autobahnnähe sucht… mit dieser App wird man fündig!

– Wild campen

Das Wildcampen ist in Argentinien kein Problem. In den weiten der Natur ohnehin nicht und selbst auf privatem Gelände darf man häufig auf Nachfrage ganz ohne Probleme stehen.

– Mosquitos

Es gibt vor allem in den Sommermonaten Dezember bis Februar unendlich viele Mosquitos. Am besten hilft das überall erhältiche „Off“. Es war tatsächlich das einzige was die hiesigen Mücken interessiert und vor allem abgehalten hat. Orange (Familyversion) in normaler Stärke, Grün für besonders starken Schutz.

– Adopt a dog

Einen Hund zu adoptieren ist leider viel zu einfach. Deshalb ist es umso wichtiger sich vorher genau zu überlegen, ob man die Verantwortung und das passende Umfeld für so einen Racker übernehmen möchte bzw. bieten kann. Schon zu Beginn unserer waren wir dazu entschlossen, einen Welpen zu adoptieren. Zumeist werden die Hunde über einen Tierarzt vermittelt. Man kann direkt vor Ort nachfragen oder sich im Internet auf Facebook-Seiten informieren. Hat man sich für ein Tier entschieden, sorgt der Tierarzt für alle notwendigen Impfungen und Untersuchungen. Zudem bekommt man eine Art Minipass auf dem die Daten des Hundes, des Halters und (Folge-)Impfungen eingetragen sind.

# Unsere Erkenntnisse

  • Hundewelpen schlafen Nachts nicht durch!
  • Jeder zweite Argentinier fährt einen Toyota Hilux.
  • Verspeise oder verstecke dein Gemüse vor einer Provinzgrenze an der es eine Obst- und Gemüsekontrolle gibt.
  • Tue dies auch mit dem Fleisch, wenn du eine Fleischkontrolle passierst.
  • Tranquillo! Bringe keine Eile mit, wenn du etwas erledigen musst.
  • Verlasse dich nie auf eingezeichnete Tankstellen bei Google Maps wenn du auf Reserve fährst und noch über 500 Kilometer eine Routa durch die argentinische Pampa geradeaus fahren musst!
  • Ein 4×4 ist nicht notwendig um das Land zu bereisen
  • Es gibt kein Mosquitonetz im ganzen Land zu kaufen. Am besten bastelt man sich ein solches in einem Stoffladen aus Tüll selbst

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