Chile | Ein Land der Extreme

Von den Gletschern Patagoniens über kalten Regenwald und Weinberge hinweg zu der trockensten Wüste der Welt.

# Overview

Chile ist mit einer durchschnittlichen Breite von 175 km das schmalste Land der Erde. Gleichzeitig birgt es aber eine Naturvielfalt die nur schwer zu beschreiben ist. Von den Gletschern im patagonischen Süden reist man über die am kalten Regenwald gelegene Carretera Austral hinweg zu dem fruchtbaren Boden der Wein- und Obstregion um Santiago de Chile. Weiter geht es die Pazifikküste entlang in die trockenste Wüste der Welt zu Salzseen in denen Flamingos leben und schneebedeckte Anden zu erblicken sind. Chile hat hierbei in jeder Hinsicht etwas beeindruckendes zu bieten. Haben die Augen das eine Naturspektakel gerade verarbeitet, wartet gleich das nächste darauf, bewundert zu werden. Diese Diversität erlebt man in einem Land, in dem die Menschen so angenehm stilvoll und warmherzig sind.

Man wundert sich, dass Chile noch zu einem der Schwellenländer gehört, wenn man in einem der großen Supermarktketten (Unimarc/ Lider/ Jumbo) steht und all die Köstlichkeiten aus fernen Ländern begutachten kann – inklusive frisch gebackenem deutschem Schwarzbrot. Deutsches Schwarzbrot!

Sucht man in Argentinien vergeblich einen Markt, indem man getreu dem Motto „einmal hin, alles drin“ den Einkauf tatsächlich in nur einem Laden beenden kann, ist dies in Chile ohne Probleme möglich und eine angenehme Erinnerung an zu Hause. Auch scheinen die Zölle nicht mit den immensen argentinischen Summen vergleichbar zu sein – zum ersten Mal konnten wir asiatisch kochen und deutsche Pumpernickel mit französischer Marmelade bestreichen.

# Cost of living

Chile gleicht sodann auch den Deutschen Verhältnissen wenn es um Lebensmittel geht. Das Benzin ist aber mit ca. 1 Euro pro Liter vergleichbar günstig.

# Food & Drinks

– Empanadas

Etwas größer als in Argentinien und bunter gefüllt sind sie hier fast noch häufiger anzutreffen als im großen Nachbarland.

– Mote con Huesillos

Ein etwas befremdlich aussehendes aber extrem verbreitetes Sommergetränk der Chilenen. Weizengraupen (Mote) mit süßem Nektar und einem Pfirsich (Huesillo). Wir waren unterschiedlicher Ansicht was den Geschmack angeht (Lena liebt, Max hasst), aber einmal probieren gehört schon irgendwie dazu.

Chilenischer Wein

Die Chilenen haben vor allem sehr gute und anerkannte Rotweine, die sie um die Andenregion bei Santiago anbauen. Das heiße Klima am Tag und die kühle Luft in der Nacht sind für den Anbau wohl bestens geeignet. Beliebte Reebsorten sind der Cabernet Sauvignon, Merlot und der Carmenère.

– Pisco Sour

Der Mix aus Traubenschnaps, Zitrone und Zucker ist als Aperitif im ganzen Land anzutreffen. Es mangelt auch nicht an Kombinationsideen: Piscola, Calafate-Sour oder einfach mit süßem Saft.

# Places to visit

– Santiago de Chile

Die bunte und lebendige Hauptstadt Chiles ist rund um von den Anden umgeben und einen Besuch wert.

Cerro San Christóbal

Bei schönem Wetter lässt der sich der grüne Stadtberg mit einem Mote con Huesillo in der Hand durchaus zu Fuß besteigen. Für wenig Geld kann man aber auch die unsportlichere Variante des Cable Cars wählen (die wir bei heißen Temperaturen definitiv empfehlen!). Oben angekommen kann man unterhalb der Maria Statue einen wahnsinnigen Blick auf die Stadt erhaschen.

Plaza de Armas

Symbolisches Herz der Stadt und Herberge eines wundervollen, mit Palmen besäumten Platzes, auf dem man getrost ein paar Stunden einfach nur das Geschehen beobachten kann.

Barrio Bellas Artes

Alternative Cafés und hübsche Läden machen das Viertel nicht nur zum Wohnen interessant. Gleichzeitig findet sich hier DAS Ausgehviertel Santiago’s mit den besten Pisco Sour der Stadt. Hier kann die Nacht zum Tag machen.

– Cajón de Maipu

Das nach einer Schlucht in den Anden benannte Gebiet liegt nur eine Stunde von Santiago entfernt und wird leider viel zu oft von den Touristen vernachlässigt. Dabei bietet es einzigartige Wanderwege, reißende Flüsse, heiße Quellen und einsame Spots in den Bergen.

– Valparaíso

Jeder Reisende sollte einen Abstecher in die Hafenstadt Valparíso unternehmen! Die am Pazifik gelegene Stadt wurde zum Weltkulturerbe benannt und erinnert uns nicht nur ein Mal an unsere Wahlheimat Hamburg. Valparaíso ist vor allem wegen seiner Street-Art sehenswert. An der Touristeninformation lässt sich die Strecke des etwa einstündigen Rundgangs erfragen. Auf dem Weg erlebt man dann an jeder Ecke Sehenswertes.

– Carretera Austral

Die als Geheimtipp  gehandelte rund 1350 Kilometer lange Ruta 7 führt vom patagonischen Süden (Villa O’Higgins) nach Puerto Montt auf das chilenische Festland und ist aufgrund der vielen Schotterstraßen nichts für schwache Nerven. Will man die Straße in Gänze befahren, muss entweder eine lange Fährfahrt von Chaitén nach Puerto Montt in Kauf genommen werden oder man riskiert die wohl schlimmsten Straßenverhältnisse und kann auch dann nicht auf eine Fährfahrt verzichten. Wir haben uns für einen ca. 700 km langen Abschnitt von Perito Moreno (Stadt) über Coyhaique bis kurz vor Chaitén entschieden und sind bei Futaleufú wieder auf die argentinische Seite gefahren. Für uns bisher einer der schönsten Streckenabschnitte!

Neben Gletscherseen, den Anden und einem mystisch wirkenden kalten Regenwald warten auch viele Abenteuer auf einen: Gletscherwandern, Rafting, natürliche Thermen.

– Patagonien

Siehe Eintrag „Patagonien“

– Atacama Wüste

Die Atacama Wüste ist die trockenste Wüste der Welt und verläuft von Copiapó im Norden Chiles bis nach Tacna im Süden Perus und damit 1200 km an der Pazifischen Küste entlang. Die Tage sind schwindelerregend heiß, die Nächte tanzen dafür um den Gefrierpunkt. Gegensätze die der Körper nicht immer wie selbstverständlich verkraftet.

Die Hauptattraktionen finden sich rund um San Pedro de Atacama, ein kleines Wüstendorf nahe der argentinischen Grenze.

Um die kleinen Lehmhäuser, welche das Dorf verzieren, tummeln sich sodann hunderte Touristengruppen. Das ganze Dorf hat sich ausschließlich dem Tourismus gewidmet und hat uns schnell abgeschreckt.

Verschreckend haben wir auch die unzähligen Eintrittspreise empfunden, die für Orte gefordert werden, welche man wenige Meter weiter auch kostenlos erleben kann. Dies sollte einen aber keinesfalls davon abhalten, dieses einzigartige Gebiet zu bereisen!

Denn die Atacama Wüste und die umgebende Natur zählen mittlerweile zu unseren Highlights. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, sollte man die Gegend so gut es geht auf eigene Faust erkunden, Spots von iOverlander anfahren und an den kostenpflichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei, zu den freien und ebenso schönen Aussichtsplattform fahren.

Top Sehenswürdigkeiten:

  • Valle de la luna

Das Tal des Mondes erinnert an die Landschaft unseres Erdtrabanten und erstrahlt insbesondere zum Sonnenuntergang in so unterschiedlichen, immer wieder wechselnden Farben, dass man erst nach einiger Zeit die Sprache wieder findet. Wir haben uns einige Kilometer weit entfernt einen wild camping Spot (iO: -22.91384, -68.31991) gesucht und sind von dort aus über einen versalzenen Weg die Dünen hoch gewandert. In völliger Einsamkeit, mit einem bunten Farbenspiel konnten wir uns nicht mal mehr ausmahlen wie sich dieses Spektakel im Strom der Touristen darstellen könnte.

* Der kostenpflichtige Aussichtspunkt auf das Valle darf ab 14:00 Uhr nur noch im Rahmen einer geführten Tour besichtigt werden.  Ziemlich frech finden wir das und sind froh, uns dagegen entschieden zu haben.

  • Reserva national los Flamencos

Das Reservat besteht aus sieben Zonen und bietet neben Vulkanen und der Salar de Atacama (Salzwüste), unzählige Lagunen auf denen die heimischen (drei verschiedene Arten) Flamingos bestaunt werden können. Wir haben uns für eine Besichtigung der Laguna de Chaxa entschieden und finden die ca. 3,50 Euro Eintritt haben sich gelohnt.

*Tipp: Wenn ihr plant, von San Pedro aus nach Bolivien einzureisen, nehmt den Grenzübergang weiter nördlich bei Ollagüe. Der Grenzübergang in der Nähe der Laguna Verde soll eine beliebte Route für den Drogenschmuggel sein und für Touristen Gefahren bergen. Zudem ist die Route nach Ollagüe atemberaubend schön.

  • Andenregion an der bolivianischen Grenze

Auf dem Weg von Calama nach Ollagüe sind wir nicht nur eine der schönsten Strecken unserer bisherigen Reise gefahren, wir haben auch den beeindruckendsten Sonnenuntergang erlebt und einen der wunderbarsten und einsamsten Overlander Spots gefunden.

Diesen Streckenabschnitt empfehlen wir wirklich jedem, der mit eigenem Auto reist! Und an dem verlassenen Lehmhaus an der Salar de Ascotán (-21.47814, -68.39341) kann man die Flamingos und Vikunjas besser und einsamer beobachten als in jedem Reservat.

# Funfacts

  • Die Chilenen geben ihren großen Straßen gerne einen zusätzlichen Namen:

Ruta del Fin del Mundo, Ruta del Vin, Ruta del Mar, Ruta del Desierto, Ruta de las Estrellas…

  • In Chile (Región Antofagasta) wird die größte Kupfermine der Welt betrieben!
  • Anzeichen von Höhenkrankheit können schon ab 2.500 Metern auftreten. Hiergegen hilft Coca-Tee!
  • Was in Peru die Alpakas sind, sind in Chile die Guanakos im Süden und die Vikunjas im Norden.
  • Der Andenkondor ist überall im Land zu bewundern und mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,20 Meter einer der größten Raubvögel der Welt.

# Nice to know

  • Die Copec Tankstellen auf der Ruta 5 und rund um Santiago sind reine Wohlfühloasen!  Bewachte Parkplätze, erlaubtes Campen, Duschen, Waschmaschinen, 24 h Bistro und ab und an sogar ein Arbeitszimmer!
  • In Santiago de Chile findet ihr auf T3 spezialisierte Werkstätten. PM für mehr Infos!
  • Plant bei einem Andenpass Höhenetappen ein, um unangenehme Stunden / Tage zu vermeiden

# Unsere Erkenntisse

  • Copec Tankstellen sind besser als jedes Hotel.
  • Es gibt asiatische Lebensmittel und deutsches Schwarzbrot!
  • Santiago ist eine T3 Hochburg. Wenn der Bulli es erlaubt, sollte man alles hier reparieren lassen.
  • Die Autobahn Ruta 5 / Panamericana weckt Heimatgefühle.
  • Die Maut erinnert dabei leider an Frankreich…
  • Der chilenische Wein kann einiges!
  • An der Pazifikküste ist es stets zu kalt zum schwimmen.
  • Der Andenpass in der Atacamawüste macht es einem Auto nicht leicht.
  • Mote con Huesillo ist die beste Erfrischung.
  • Ab 2.500 Meter kann man an Höhenkrankheit leiden
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