Paraguay

Eine Liebe auf den zweiten Blick…

# Overview

„Was wollt ihr denn in Paraguay?“ wurden wir nicht nur einmal fragend angeschaut. Aber ja, kein Wunder wenn man in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes stöbert oder gar nach den Highlights Südamerikas jagt.

Paraguay hat kein Meer und keine Berge, beherbergt keinen Machu Picchu und auch keine Weltstadt … mit Sicherheit aber hat Paraguay eines zu bieten und zwar die herzlichsten Menschen des Kontinents! Paraguay wird völlig zu Unrecht von so vielen Reisenden vernachlässigt. Man muss einfach nur genau hinsehen, zu entdecken gibt es nämlich doch so einiges.

Wir konnten dank CHP, der Organisation die wir besucht haben, sehr schnell einen Einblick in die Vielfalt der paraguayischen Kultur erhaschen und müssen mit unseren Eindrücken keinesfalls sparen.

In dem Land welches in etwa so groß ist wie Deutschland und die Schweiz zusammen und von Argentinien, Brasilien und Bolivien umgeben wird, gibt es beispielsweise eine Artenvielfalt, die wir so nur aus Brasilien kennen. Neben diversen Affenarten gibt es (die überraschend großen!) Ameisenbären, Tapire, Gürteltiere, Nandus und Wasserschweine. In den Gewässern leben Kaimane, Anacondas und Piranhas. In der Luft sieht man mit ein wenig Glück Tukane und zu den großen Jägern an Land gehören der Jaguar und der Puma.

Auch kulturell muss sich Paraguay nicht hinter den Nachbarn verstecken. Geschichtlich gibt es in den gut erhaltenden Jesuitenmissionen viel zu entdecken und die Einwohner verstehen etwas von Tradition. Wir haben auf unserer Reise noch in keinem Land so verbreitet das sog. „comida tipica“ (= regionales Essen) gefunden wie hier. Die Paraguayer lieben ihr Essen und weihen jeden gerne in die Geheimnisse der Küche ein. Zudem wird gerne und überall verbreitet, folkloristische Musik gehört, die sog. „Polka“. Zu fast jedem Lied gehört dabei die Begleitung einer Harfe.

Auf dem San Juan Fest in Ypacarí

Die indigenen Einflüsse sind hier deutlicher zu spüren als in den anderen Ländern, zumindest was deren Verbreitung im ganzen Land angeht. Das liegt nicht nur daran, dass die Währung noch nach den Ureinwohnern benannt ist, sogar die Sprache der Guarani wird von mehr Menschen gesprochen als spanisch.

Zu dem Land, welches wir unverhofft so lieb gewonnen haben, gehört aber auch die Armut. Paraguay ist eines der ärmsten Länder Südamerikas, circa 35% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Über die Hälfte der Kinder unter 10 Jahren sind von Mangelernährung betroffen und leben unter extrem schlechten Bedingungen. Viele haben keinen Zugang zu gerechter Ernährung, Bildung, Gesundheit oder einer Wohnungen. Ca. 15 % der Kinder arbeiten bereits, um die meist sehr kinderreichen Familien zu unterstützen.

Am Bildungssystem wird gearbeitet, aber auch wenn manche Schulen keine Gebühr verlangen, mangelt es den Familien an dem Geld für Schuluniform und Bücher. Und gerade deshalb waren wir umso erstaunter zu sehen, wie glücklich die Menschen vor Ort sind. Sie beklagen sich nicht, sondern machen aus ihrer Situation das beste und beweisen Humor, viel Humor.

Fest steht, wir werden einiges mitnehmen aus diesem Land ….

Dankbarkeit für unseren Wohlstand, den wir nur zu häufig als selbstverständlich ansehen. Aber auch eine gewisse Leichtigkeit, mit der man manchmal die vermeintlichen Probleme unserer (europäischen) Welt sehen sollte.

# Cost of living

Paraguay ist ein sehr günstiges Land. Das Benzin ist zwar mit einem Euro etwa mit Chile und Argentinien vergleichbar, aber die Kosten für Lebensmittel sind erheblich günstiger.

# Food & Drinks

Tortilla Paraguaya

Tortilla Paraguaya ist eine Art Omelette aus Milch, Mehl, Eiern und sämtlichen Zutaten die man zu Hause findet. Meist aber mit Käse.

Chipa

Chipas sind kleine kringelförmige Brötchen aus Maniokmehl, Käse, Milch, Eiern und Butter.

Sopa Paraguaya

Anders als sich vermuten lässt, handelt es sich bei diesem Nationalgericht nicht um eine Suppe, sondern um eine Art Brot. Man verwendet Maismehl, Käse, Milch und Eier sowie Zwiebeln.

Die Sopa Paraguaya gehört zu jedem Asado.

Mbeju

Wir gestehen, ein etwas gewöhnungsbedürftiges Gericht. Es hat die Form eines Pfannkuchens und wird aus (wir finden zu viel) Stärkemehl und Frischkäse zubereitet.

Maniok

„MANDIOCA“, die Wurzelknolle der Maniokpflanze wird überall in Paraguay zubereitet und ist Pflichtprogramm beim Grillen. Zudem gilt sie als 3. Wichtigstes Grundnahrungsmittel der Welt. Die Wurzel wird gekocht oder frittiert und als Beilage gereicht. Wichtig, der mittlerer Faden muss entfernet werden.

Empanadas

Der Klassiker fehlt natürlich auch in Paraguay nicht. Es gibt sie hier oft „de Horno“ (=aus dem Ofen), sie sind weniger fettreich und eine willkommene Abwechslung für uns.

Tereré

Tereré ist die eiskalte Version des Mate und wird meist mit Minze oder Zitronen Zusatz in geselliger Runde gereicht.

Cocido

Wieder Mate! Diesmal aber mit karamellisierten Yerba Blättern. Diese werden mit Wasser abgelöscht und wenn alles erwärmt ist, kommt Honig und Milch dazu.

Wieder hatten wir Glück und durften bei Tatchi und ihrer Tochter Sol selbstgemachten Cocido trinken

# Places to visit

Asuncion

Völlig überrascht haben wir den Reichtum der Stadt betrachtet. Die vermeintlich so gefährliche Stadt entpuppte sich als wahrer Gourmettempel und Shoppingparadies für Gutbetuchte. Sicherlich spielt hier das richtige Viertel eine immense Rolle, aber diese Hürde einmal überwunden, lässt sich dort ganz herrlich seine Zeit verbringen.

Itaipu Damm

Der Itaipu Damm ist der zweitgrößte Staudamm der Welt und seine hydroelektrische Wasserkraft erzeugt mit Hilfe riesiger Turbinen die größte Menge nachhaltigen Stroms der Welt. Bei einer kostenlosen Führung (auf paraguayischer Seite) werden einem stolz alle Zahlen des gemeinsamen Projektes von Paraguay und Brasilien präsentiert:

  • Mit dem verbauten Eisen könnte man 380 Eiffeltürme bauen
  • Der für den Bau notwendige Erd- und Fels-Aushub war 15x grösser als beim Eurotunnel
  • 40’000 Arbeiter waren auf der Baustelle tätig und mussten mit Mahlzeiten und Unterkunft versorgt werden
  • Im Jahr 2016 wurden 103 Terawattstunden produziert – Weltrekord.  Für diese Energie würde man ansonsten 8 Kernreaktoren benötigen oder müsste dafür 536‘000 Fässer Öl am Tag verbrennen.

Jesuitenmissionen

In Trinidad ist die wohl bekannteste ehemalige Jesuitenreduktion zu besichtigen, die gleichzeitig auch UNESCO Weltkulturerbe ist.

# Funfacts

  • In Paraguay sprechen mehr Menschen Guarani als Spanisch
  • Viele Menschen besitzen keine Klingel an der Haustür. Es wird geklatscht 😉
  • Fünf bis sieben Prozent der paraguayischen Bevölkerung sind Einwanderer deutscher Herkunft
  • In Paraguay wird die größte Menge nachhaltiger Energie produziert
  • Paraguay ist der größte Marihuana-Produzent Südamerikas

# Nice to know

  • Unsere Empfehlung lautet: Traut euch und besucht das Land! Kommt dabei unbedingt mit den Einwohnern in Kontakt!
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