Bolivien

Gegensätze ziehen sich an…

# Overview

Bolivien hat uns enttäuscht und unser Herz wieder gewonnen! Und das sogar mehrmals 😉

Auf Bolivien habe ich mich vor Reiseantritt fast am meisten gefreut. Die größte Salzwüste (Salar de Uyuni), der höchst gelegene See (Titicaca), das höchste Bergplateau (Altiplano) und die höchste „Hauptstadt“ (La Paz) unseres Planeten… gleich so viele Superlative in einem Land. Und diese tollen Decken! Diese bunten aus Alpaka Wolle hergestellten, wunderschönen Decken… Hunderte wollte ich hiervon kaufen 😉

Heute wissen wir, sie heißen „Agoyaos“ und sind in allerlei Qualität zu erhalten. Wir wissen auch, dass es nicht immer einfach ist, in Bolivien auf Hilfe angewiesen zu sein. Aber auch, dass Bolivien unfassbar viel Vielfalt, liebe Menschen und vor allem viel indigene Kultur zu bieten hat.

Nach unseren vier Wochen im ärmsten Land Südamerikas, können wir viel über den Einfluss von Pachamama (Muttererde) berichten, aber auch viel darüber, dass man zum Leben doch gar nicht so erheblich viele Dinge benötigt.

Wir können über das wunderschöne La Paz schwärmen, von den größten Märkten berichten, wo das Einkaufen nicht immer Spaß macht! Wir können von dem 34 Grad heißen See berichten, unter dessen Boden die Erde brodelt. Aber auch davon, dass das bakterienhaltige Wasser uns krank gemacht hat. Wir wissen, wie schön es auf dem Altiplano sein kann, kennen aber auch die eiskalten Nächte.  Bolivien war für uns immer gegensätzlich, haben wir eine wundervolle Erfahrung gemacht, folgte oft eine herausfordernde. Hat das Auto gerade so einen der müßigen Andenpässe erklungen, empfängt einen oben die Natur in einer Schönheit und Einsamkeit, die man nicht in Worte fassen kann.

Wo der spanische Einfluss in Chile und Argentinien nicht wegzudenken ist, haben die indigenen Völker sich hier ihre Kultur erhalten können. Nicht zuletzt deswegen bleibt Bolivien eines unserer Lieblingsländer.

# Cost of living

Bolivien war seither das günstigste Reiseland. Obst und Gemüse sollte auf den Märkten gekauft werden, die es in jedem Dorf gibt (Mercado Central). Benzin kann zum einheimischen Preis ergattert werden und ist dann mit 50 Cent unschlagbar günstig (siehe dazu mehr in #nice to know).

# Food & Drinks

Pique Macho

Ist vor allem in Chochabamba zu erhalten und besteht aus Rindfleisch, zweierlei Wurst, Pommes, Zwiebeln, Ei, und Tomaten.  

– Chicha

Ist ein alkoholhaltiges Getränk aus fermentiertem Mais. Geschmacklich erinnert es mich ein wenig an Apfelwein und während ich die zeremonielle Stimmung genieße, muss Max bei jedem Schluck kämpfen 😉 Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber Nein sagen fällt schwer, denn wurde dir einmal zugeprostet, kann der sodann eingeschenkte Schluck kaum abgewiesen werden. Nicht aber, ohne den ersten Schluck Pachamama (Muttererde) zu widmen. Kein Witz, der erste Schluck wird auf den Boden gekippt.

Das seit Jahrhunderten bestehende Ritual vollzieht sich so:

Eine große Runde Freunde, ein Eimer mit Chicha in der Mitte und ein flacher Trinkbecher (ähnelt einer halben Kokosnuss). Der Erste schöpft Chicha aus dem Eimer in den Becher, prostet meist seinem rechten Nachbarn zu und spendet den ersten Schluck an Pachmama. Sodann ist der Zugeprostete an der Reihe und es geht von vorn los, Ende nicht in Sicht 😉 Ein tolles Erlebnis!

– Silpancho

Eine dünne schnitzelartige „Scheibe“ Rindfleisch auf Reis, Salat einem Ei und Kartoffeln.

– Saltenas

Sind die bolivianischen Empanadas, werden aber im Ofen gebacken mit Erbsen, Karotten, Kartoffeln und Fleisch.

# Places to visit

– Salar de Uyuni

Salz soweit das Auge reicht. Genauer gesagt, bilden 10.582 qkm die größte Salzwüste der Welt. Tagsüber glühend heiß und nachts unerbittlich kalt – eine richtige Wüste eben. Und das Ganze auf 3650 Metern Höhe, nichts für schwache Nerven.

Früher, also ungefähr 40.000 Jahre früher (!), war die Uyuni mal ein richtiger See. Der ist dann ausgetrocknet und gibt mittlerweile wunderschöne achteckige Formen preis. In der Regenzeit liegt eine dünne Wasserschicht auf dem Salz, die durch den Spiegeleffekt den Horizont verschwinden lässt. Wasser, Himmel … Hier lässt sich dann nichts mehr unterscheiden. Ich kann im Nachhinein nicht sagen, was ich beeindruckender fand: Die spiegelnde Oberfläche, den Sternenhimmel bei unserer Übernachtung mitten im salzigen Nirgendwo oder die riesige weiße Oberfläche, die so weit bis zum Horizont reicht, dass man meint die Welt bestünde aus Salz.

Es gibt kleine Inseln, die man befahren kann und eine Menge Möglichkeiten, tolle Bilder zu machen 😉

Die Uyuni hat drei „Eingänge“, also Möglichkeiten auf die Salzfläche zu fahren. Man kann sich mit dem eigenen Auto ins Abenteuer wagen oder eine bezahlbare Tagestour (1-3 Tage) buchen.

Wir haben uns für das eigene Auto entschieden, was wir schnell bereut haben. Nicht nur, dass wir im wasserreichen Teil stecken geblieben sind, auch der Motor enthält bis heute salzige Stellen.

Unser Tipp:

Wenn es das eigene Auto sein soll, dann unbedingt bei einer Wasserüberquerung einem Guide folgen. Die wissen genau, wo die dunklen schlammigen Stellen sind und umfahren diese geschickt. Das Auto sollte vorher von unten mit Öl eingesprüht werden und sofort nach dem Verlassen der Wüste eine Waschstraße sehen. Im Umland sind sie darauf spezialisiert und wissen, was sie tun müssen.

Wir sind zwar froh, das Abenteuer gewagt und überstanden zu haben. Beim nächsten Mal würde es jedoch eine Tour werden 😉

– La Paz

Die vermeintliche Hauptstadt, die keine ist. In La Paz befindet sich lediglich der Regierungssitz Boliviens, die richtige Hauptstadt ist Sucre. Das tut dem Flair, der von La Paz ausgeht aber überhaupt nichts an. Die Stadt liegt in einem Tal auf 3.600 Metern über dem Meeresspiegel, erstreckt sich aber bis El Alto auf bis zu 4000 Metern. Das bedeutet, dass man einfach mal eben so 1 Höhenkilometer überwindet, um auf die andere Seite der Stadt zu gelangen. Wie La Paz und die Einwohner hiermit umgehen? Ganz einfach, sie haben eine geniale und einzigartige Idee umgesetzt. Denn als öffentliche Verkehrsmittel dienen hier super moderne Gondeln, die Telefericos. Mit denen man fix über die Stadt und den furchtbaren Verkehr fliegt. Der war übrigens auch ein Hauptgrund des nicht ganz unumstrittenen Baus und sollte durch die schnelle Fortbewegung mit den Gondeln etwas entzerrt werden. Auch wenn es einige Einwohner gab, die um ihre Privatsphäre fürchten mussten ( die Gondeln fliegen teilweise sehr nah über die Dächer) hat sich der Bau durchgesetzt. Für alle Besucher der Stadt kommt natürlich noch ein Vorteil hinzu. Eine Fahrt über die Stadt ist sowohl bei Tag als auch bei Nacht eine wunderschöne Möglichkeit, die Größe der Stadt einzuschätzen und die dahintergelegenen schneebedeckten 6000er zu bestaunen.

Things to do in La Paz:

– San Pedro

Das einzige von Insassen geführte Gefängnis der Welt. Ja ehrlich! Kein einziger Wärter befindet sich noch in dem Gefängnis, nachdem ca. 2500 in dem ursprünglich für 400 Insassen gebauten Gebäude ausharren mussten und die Wärter derart in die Unterzahl gerieten, dass es zu gefährlich wurde. Nun ja, und so können sich die einmal geschnappten, wohlhabenden Drogenbosse Boliviens ein wunderbares Leben bereiten. Nicht nur ganze Familien werden nachgeholt, auch das Geschäft geht natürlich weiter – von innen. San Pedro zählt zu den größten Herstellern von reinem Kokain. Unfassbar, oder? Wachen stehen draußen an allen Ecken und sorgen dafür, dass niemand herauskommt. Auch wird der Eingang kontrolliert und die Besucher protokolliert. Touristentouren (einmal das Lonely Planet Highlight La Paz’s) sind verboten, nachdem eine Truppe von 15 Menschen nach einem Aufstand nicht mehr aus dem Gebäude kamen und Tage auf Befreiung hoffen konnten.

– Hexenmarkt

Obwohl der Markt schon auch auf Touristen spezialisiert ist, kommen auch die Einheimischen in Scharen. Ein ganz beliebtes Ritual findet immer Anfang August statt:

Die Hexen haben zahlreiche Lamaföten im Angebot, diese sind alle eines natürlichen Todes gestorben und werden den Hexen meist von den Bauern gebracht. Im August ist es dann an der Zeit, dass die Hexe einen geeigneten Fötus aussucht, um diesen mit einem kleinen Ritual zu deinem persönlichen zu machen. Sodann bereichert man den Korb mit aus Salzstein geformten Figuren, die jeweils für das Gewünschte stehen (Gesundheit, Liebe, Familie, Reichtum….). Das Ganze wird dann vor dem eigenen Haus verbrannt und der Fötus sozusagen zurück an Pachamama gegeben. Die zeigt sich wiederum dankbar und erfüllt die Wünsche.

– Gondeltour

Das sollte man auf keinen Fall verpassen. Wir haben uns einfach ein Bier und eine Tüte Snacks geschnappt und sind mit unterschiedlichen Linien über die ganze Stadt geschwebt. Im Hintergrund sind immer Boliviens schneebedeckte 6000er zu sehen.

– Titicacasee

… das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Der wunderschöne See liegt mitten auf dem Altiplano auf einer Höhe von 3812 m über dem Meeresspiegel. Eine Hälfte ist in peruanischer Hand, die andere beansprucht Bolivien. Der Legende nach setzt sich der Name aus zwei Aymara (indigene Sprache) Wörtern zusammen: titi heißt „Große Katze“ oder „Puma“ und kaka heißt „grau“. Mit viel Fantasie gleicht die Form des Sees einer Katze.

– Altiplano

Das Hochplateau liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 3600 m und erreicht auch Peru, Argentinien und Chile. Das Wetter hier oben ist immer kalt, besonders in den Nächten. Die Schönheit und Einsamkeit aber ist (mal wieder) eine ganz Besondere 😉

Meist wird man nur von Alpakas oder Flamingos begleitet.

# Funfacts

  • La Paz ist nicht die Hauptstadt, sondern nur der Regierungssitz Boliviens. Die Hauptstadt ist Sucre.
  • Als Zebra verkleidete Menschen helfen einem sehr humorvoll über die Straße. Die Idee der Regierung ist es, damit die Kinder zu erreichen und ihnen die Verkehrsregeln näher zu bringen – auf eine sehr spielerische Art und Weise.
  • Coca Cola sponsort die Restaurants im Gefängnis San Pedro.
  • Der Machu Picchu in Peru hat in einer Woche so viele Touristen wie Bolivien in einem ganzen Jahr.
  • Für die Ureinwohner der Quechua und Aymara ist die Pachamama eine mächtige Göttin, die allgegenwärtig ist.
  • Der Präsident Evo Morales ist eine zwiespältige politische Figur und ziemlich unbeliebt. Ehrlich gesagt, scheint er ein ziemlicher Idiot zu sein! Er hat sich z.B. einen Regierungssitz der Extraklasse gebaut – der alte hatte ihm einfach nicht mehr gefallen. Der Hin- und Rückweg wird im ärmsten Land des Kontinentes wie selbstverständlich mit dem Helikopter zurück gelegt. Man möchte wohl dem Volk nicht zu nahe kommen. Auch der kürzlich errichtete Bau seines Museums war äußerst umstritten. So musste er ein prächtiges Gebäude direkt neben einem Armenviertel errichten. Was das Museum ausstellt? Das Leben des Evo Morales höchstpersönlich. Und weil die Verfassung ihm eigentlich keine weitere Amtsperiode ermöglichen würde, wurde sie fix geändert. Leider existiert hier keine Gewaltenteilung, die so etwas verhindern könnte. Und so sind alle Einwohner gespannt, wie er die Wahlen und vor allem die Verfassung in diesem Jahr (2019) hinbiegen wird.
  • Zu Bolivien gehörte mal ein langer Küstenabschnitt! Im Salpeterkrieg im 19. Jahrhundert hat Bolivien seine Pazifikküste an Chile verloren.
  • Über die Hälfte der Einwohner gehören einer indigenen Bevölkerung an (30 % Quechua und 25 % Aymara). 

# Nice to know

– Benzin

Das Benzin ist für Ausländer doppelt so teuer. Daher sollte man sich schnell mit einem Kanister eindecken und ganz lieb die Einheimischen nach Hilfe fragen. Für einen kleinen Obolus haben wir immer nette Menschen gefunden, die mit prall gefüllten Kanistern wieder zurück kamen.

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